Soziale Nachhaltigkeit

Quartiere als Brennpunkte der Nachhaltigkeitsentwicklung

By 01/07/2020 No Comments

Quartiere als Brennpunkte der Nachhaltigkeitsentwicklung

von Fatljume Halili

Inspire 529 war an der SDSN-Konferenz in Bern und hat viele neue Einsichten und Learnings mitnehmen können.

“Inzwischen haben wir alles, was wir brauchen. Was wir tun müssen, ist handeln - und das schnell.” So steigt der Politikwissenschaftler und Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik Dirk Messner in seinen Vortrag über die Transformation zur Nachhaltigkeitsentwicklung ein. An der diesjährigen Konferenz des SDSN (Sustainable Development Solutions Network) wurde nicht nur rege diskutiert und referiert. Mit Hilfe von Learning Journeys konnte die Transformation erlebbar gemacht werden.

"Inzwischen haben wir alles, was wir brauchen. Was wir tun müssen, ist handeln."

So auch in der Siedlung Burgunder in Bern Bümpliz, wo wir uns mit dem Thema der sozialen Nachhaltigkeit in der Quartierentwicklung auseinandersetzten und gemeinsam einen Call for Action formulierten.

Durch Identifikation zu nachhaltigen Lebensformen

Siedlungen und Quartiere sind Brennpunkte in der Nachhaltigkeitstransformation. Das 2000-Watt-Areal Burgunder in Bümpliz ist ein gutes Beispiel dafür: Die Bauweise der Siedlung ist nicht nur energieeffizient und wirtschaftlich rentabel. Dank dem Einbezug der Bewohnerinnen und Bewohner schon in der Planung der Siedlung ist vor allem die Partizipation sehr hoch.

Trotz des Wetters spielten Kinder draussen, die Nachbarn unterhielten sich über die Balkone hinweg und obwohl es ruhig war, schien es hier viel lebhafter zu sein.

Da Bewohnerinnen und Bewohner von Beginn ihren Wohnraum mitgestalten können und Mitspracherecht auf die Gestaltung der Siedlung haben, können sie sich viel eher mit der Siedlung identifizieren. Dies führt dazu, dass sich durch die Pflege einer Nachbarschaft auch nachhaltigere Formen des Zusammenlebens ergeben.

Weil alle motiviert sind, ein gutes Miteinander zu haben, ergeben sich oftmals konstruktive und innovative Lösungen, die somit auch die Partizipation in der Siedlung nachhaltig generieren.

Beispielsweise funktioniert die Kommunikation viel besser, da sich alle kennen. Durch einen Hausverein, der die Rechte und Pflichten der Mieterinnen und Mieter regelt, sind auch die Rahmenbedingungen für das Zusammenleben mit möglichst wenig Konfliktpotential gegeben. Das Interessante ist jedoch, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner für ein besseres und nachhaltigeres Zusammenleben befähigt fühlen. Ob dies nun in der Planung der Waschküche oder der Benutzung der Grünflächen ist: Weil alle motiviert sind, ein gutes Miteinander zu haben, ergeben sich oftmals konstruktive und innovative Lösungen, die somit auch die Partizipation in der Siedlung nachhaltig generieren.

Die Verknüpfung zwischen Bauen, Planen und sozialer Nachhaltigkeit

Konkret wirtschaftlich lässt sich dies an den nicht existenten Leerstand festmachen. Dazu kommt, dass durch die Identifizierung mit der Wohnsache nachweislich mehr Sorge zum Wohnraum getragen wird. Zuletzt kann beobachtet werden, dass viel weniger Mietzinsausfälle sowie Fluktuationen bestehen als bei anderen Wohnformen.

Durch die Vernetzung im Quartier kann dadurch auch die Veränderung der Gewohnheiten und die Hinterfragung der Werte und Glaubenssätze stattfinden.

Die Siedlung Burgunder ist somit exemplarisch für die Verknüpfung zwischen Bauen, Planen und sozialer Nachhaltigkeit, denn sie bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern schon zu Beginn die Möglichkeit sich einzubringen.

Durch die Vernetzung im Quartier kann dadurch auch die Veränderung der Gewohnheiten und die Hinterfragung der Werte und Glaubenssätze stattfinden, so dass ein Umdenken in Richtung nachhaltigem Leben stattfinden kann - sowohl auf sozialer als auch auf wirtschaftlicher Seite.

Die Transformation zur Nachhaltigkeitsenwticklung verlangt das Zusammenarbeiten aller Akteure einer Gesellschaft. Dies wird allerspätestens bei der Präsentation der verschiedenen Calls for Action im Plenum klar. Damit Wandel stattfinden kann, muss einerseits individuell ein Umdenken stattfinden. Andererseits aber auch die Entscheidungsträgerinnen und -träger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und die breite Öffentlichkeit zum Handeln aufgerufen werden.

Alle Bilder © SDSN (Simon von Gunten, Martina Drosner)

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